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 Diskussion  

Stephan Riegger (2006), Sport- und Erziehungswissenschaftler, FU Berlin

ehem. Institut für Sportwissenschaft; Grundschullehrerausbildung mit Schwerpunkt: Gesundheitsförderung und Bewegungserziehung; Gründer der Vereine BERLINbewegt und Gesunde Stadt; Initiator der Aktion 100 Bewegungsbaustellen für Berliner Grundschulen (2006).

 

Tagesspiegel, 14.03.2006 Rubrik Leserbrief zu: "Rettet Berlin"

An
Der Tagesspiegel
Rubrik: Berlins Schulen


Warum ich gerne mit „Alten Kämpen“ zusammenarbeite.

„Alte Kämpen und Kämpferinnen“ erkennen sofort, ob die angepriesene Maßnahmen und Instrumente tauglich sind für den Schulalltag, ob sie Erfolg versprechen und dem eigenen Wohlbefinden zuträglich sind. Das sind die heutigen Einstiegsbedingungen für eine Innovation der Schule.
Mit den Vereinen BERLINbewegt und Gesunde Stadt versuche ich seit geraumer Zeit innovative Konzepte in die Grundschulen zu tragen. Dazu gehört das Konzept „Moving School 21 - Gesundheitsförderung und Bewegungserziehung an Berliner Grundschulen“. Ziel ist es, die gesundheits- und leistungsbeeinträchtigenden Faktoren bei Schülern und „Alten Kämpen“ wirksam zu bekämpfen. Bei Schülern ist das Bewegungsmangel, Übergewicht, Hyperaktivität und Konzentrationsdefizite bei Schülern. Für Lehrer sind Burn-out-profilaxe, Rückenschule und wirksame Strategien für Hyperaktive oder aggressive Schüler gefragt. Dazu bedarf es Know-How, innovative Instrumente und Kompetenzen. Wo kommen diese her?

Die Altersstruktur der Lehrer in Berlin weist auf das generell bestehende Innovationsproblem in Berlin hin: war in früherer Zeit Innovation durch eine natürliche Altersdurchmischung der Lehrerschaft garantiert, ist heute diese – gleichsam natürliche - Weise der Modernisierung nicht mehr möglich. Schuld daran trägt die Lehrer - Einstellungspolitik der letzten 20 Jahre mit der Folge, dass die  Ergebnisse von Forschung und Entwicklung in den relevanten Wissenschaftsbereichen der Pädagogik und der Fachwissenschaften über den natürlichen Austausch von Lehrern keinen Eingang mehr in den Schulalltag finden. Auf diese Weise wurden die wissenschaftlichen Ausbildungsleistungen der universitären Lehrerbildung vergeudet.
Ein Transport von innovativen Wissensbeständen über die  Lehrerfortbildung. gelingt offenbar wegen der bürokratischen und antiquierten Formen auch nicht mehr. Die aktuellen Aussichten sind aber auch nicht rosiger: die Praxisferne der neuen universitären Lehrerausbildung im Bachelor- und Masterformat wird schon jetzt von Schulfachleuten scharf kritisiert.

Ratschlag für die Rettung von Berlins Schulen: gute Personalpflege und rücksichtsvoller Umgang mit den „Alte Kämpen und Kämpferinnen“ ist angeraten – die Schule braucht deren Erfahrungen wohl noch sehr lange!

 



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