Über uns Werkstattt Publikationen Termine Links
 
  « Diskussionen  
   
   
   
   
   
   

 

 

 

 

 

 Diskussion  

 

Stephan Riegger

Kurzfassung des Beitrags zum Kongress:

Kinder bewegen“, Karlsruhe 2005

 

Die Bewegte und Gesunde Ganztagsschule - Bewegungserziehung und Gesundheitsförderung ohne Sportlehrer?


Die dem Schulsportunterricht zugewiesenen Aufgaben und Wirkungen im Schulalltag kann dieser aus unterschiedlichen Gründen seit langem nicht mehr erfüllen. Die Aussagen im Schulsportcurriculum über die gesundheitlichen Wirkungen werden von Fachleuten zu recht in Frage gestellt. Wie soll z. B. eine Sportstunde in der 6 Stunde seine (behauptete oder tatsächliche) positive Wirkung auf die ersten 5 Schulstunden ausüben? Wie sollen die maximal 3 Sportstunden pro Woche (wenn sie nicht ganz oder teilweise ausfallen) den oft zitierten „Bewegungsdrang“ von Grundschülern zufriedenstellen? Die Hilfen der Sportfachliteratur zeigen praktische Wege zu einem modernen Sportverständnis auf. Mit den aufbereiteten Unterrichtsmodellen könnten Schüler begeisternden Sportunterricht erleben. Leider können diese Hilfen ihre erhoffte Wirkung nicht entfalten, da häufig die Lehrer, die den Unterricht erteilen, gar keine Fakultas für den Sportunterricht haben und demzufolge die Fachzeitschriften auch nicht lesen. Was, wenn es tatsächlich stimmt, dass lediglich 30% des Grundschulsportunterrichts von ausgebildeten Fachkräften erteilt wird? Was passiert unter diesen Umständen mit der sich entwickelnden neuen Bewegungs- und Sportkultur in diesem Lande?

Viele Zeitschriften publizieren Spielanregungen für den Schulunterricht (Bewegter Unterricht), zur bewegungsorientierten Schulhofgestaltung (aktive Schulpause, Planungsbeteiligung von Schülern, Eltern und Lehrern) zur Gestaltung von Schulräumen, Klassenzimmern und Schulfluren. Eine ganze Spielgeräteindustrie hat sich auf die bewegungsorientierte Neuausstattung der Ganztagsschulen speziualisiert. Die Katalogtexte verwenden in vereinfachter Form sportwissenschaftliche Termini und versuchen die Laien in Schule und Ämtern damit von Ihren Produkten zu überzeugen. Zunehmend mehr wird Bewegung als ein quergängiges Prinzip in den Schulalltag eingefügt. Diese Erkenntnis hat sich in einigen Bundesländern schon durchgesetzt. Der Schulsport wird durch Bewegungserziehung im Unterricht, durch spezifische Bewegungsanreize in den Pausen und eine ökologische, gesundheits- und bewegungsfördernde Schulhofgestaltung ergänzt.

Das Konzept der Bewegten Schule wird zur Zeit in vielen Fachzeitschriften besprochen. Man gewinnt den Eindruck, als ob es sich dabei um ein sportorientiertes Schulkonzept handelt. Das wäre allerdings ein großer Fehler. Autoren weisen darauf hin, dass dem Konzept ein salutogenetischer Entwicklungsansatz unterliegt: Was erhält Schüler und Löehrer gesund? Ist die Kernfrage (A. Antonvsky). Das Konzept der Bewegten Schule kann allerdings nur dann seine gesundheitsfördernde Wirkung entfalten, wenn jeder Lehrer etwas von Bewegungserzihung (z.B. Bewegter Unterricht) und Gesundheitsförderung (z.B. aktiv-dynamisches Sitzen) versteht, wenn das Schulprofil vom gesamten Kollegium getragen wird, wenn die Erzieher einen fachkundigen Beitrag zur motorischen Entwicklung der von ihnen am Nachmittag betreuten Kinder leisten können. Diese Forderungen und Ansprüche an die fachlichen Qualifikationen für Grundschullehrer und Erzieher liegen seit langem vor. Zu fragen bleibt: Was lernen zur Zeit die zukünftigen Grundschullehrer in der Lehrerausbildung? Werden sie – einmal im Dienst – über Kenntnisse und Handlungskompetenzen verfügen, mit denen sie der Gesundheits- und Schulleistungsmisere begegnen können?

Bedeutet diese Entwicklung, dass Bewegungserziehung den Sportunterricht ablöst? Wird mit dem Konzept der Bewegten Schule ein neues Schulsportverständnis eingeführt? Soll jeder Grundschullehrer auch „sporteln“ können?

 



© Gesundestadt e.V.2006

Home | Kontakt | © Copyright